Prüfstand


COL 3/2010


Viel mehr als ein bloßer Farbtupfer:
Sideways Ford-Dallara DP01 (1:32)


Prüfstand


Machen wir einen Sprung über den großen Teich und widmen uns wieder einmal der GrandAm-Serie. Es gibt bereits einige Nachbildungen in 1:32 nach Vorbildern aus dieser Meisterschaft und Sideways by Racer gibt nun erneut Anlaß, wieder einmal vorbeizuschauen. Wie es scheint, ist die Popularität dieser Serie unter Modellisten in Europa nicht allzu groß, doch zu Unrecht wie anhand des Ford-Dallara DP-01 schnell aufzuzeigen ist.

Als Vorbild hat man bei Sideways den Dallara des Wayne Taylor Teams mit den Fahrern Angelelli/Frisselle ausgewählt, den sie in Laguna Seca 2009 auf Platz 3 ins Ziel brachten. Das war auch der Rang im Schlußklassement.

Was schon bei dem ersten Kontakt mit dem Modell auffällt, dessen Technik von Slot-It stammt, ist das geringe Gewicht. Es liegen gerade einmal 75g in der Hand. Doch hat man keine Sparausführung vor sich, sondern ein aufwendig nachgebildetes Modell, das in seiner Ausstattung am oberen Ende der Skala anzutreffen ist.

Mit diesem Dallara präsentiert Side-ways/Racer das noch zum Riley fehlende Gegenstück aus der GrandAm, den man ebenfalls im Programm hat. Es ist erneut ein feinst nachgebildetes Modell geglückt, das in seinem gesamten Erscheinungsbild überzeugt. Man ist erstaunt, aber in der bloß 19g wiegenden Karosserie sind sämtliche Teile untergebracht, die den Modellfreaks das Wasser im Munde förmlich zusammenlaufen lassen: Ein komplettes Interieur, in dem selbst der Anzug des Fahrers bis ins kleinste Detail farblich ausgearbeitet ist, eine feine Motorattrappe mit Ford-Emblemen unter der Heckscheibe, filigrane Scheiben mit Kühlöffnungen und saubersten Einfassungen und schließlich die Karosserie, an der auch noch die kleinsten Kühlauslässe am Dach durchbrochen wiedergegeben sind.

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Etliche Fotoätzteile setzen zusätzlich Akzente, so das Kühlergitter an der Frontpartie und die Veschlüsse der Heckhaube. Kurzum: Bis hin zur 5-farbigen Lackierung und der gestochen genauen Bedruckung ist der Dallara ein wirklicher Hingucker. Allerdings ist zu empfehlen, den vorderen Kühleinlaß vor dem ersten Start auf festen Sitz zu prüfen und ihn nötigenfalls neu zu verkleben, falls er sich beim Prüfen löst. Denn geht er anderweitig verloren, wird man ihn nur schwer wieder auffinden. Ein festsitzendes Kunststoffteil wäre hier vielleicht die zweckmäßigere Lösung.

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Sauschnelles Schweineschnäuzchen

Die technische Ausführung entspricht dem Slot-It Standard. Dazu gehört der separate Motor-/Achsträger, der hier in Offset-Bauform montiert ist. Dabei wird die Achse oberhalb der Motorwelle in Kombination mit einem speziellen Kronzahnrad montiert. In der Konsequenz ist die Bodenfreiheit dadurch leicht verringert und so die Gewichtsverteilung optimiert.

In den feinen Alurädern
findet man mehrfarbige
Felgeneinsätze und
Bremsattrappen vor.
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Aluräder an der Hinterachse sowie das verschraubte Kronzahnrad kennt man von Slot-It im übrigen auch längst. Es sind jene Merkmale, mit denen sich diese Technik von vielen anderen Lösungen erfolgreich absetzt. Hinzugekommen sind eine 4-fach verschraubte Versteifung aus Kunststoff, die zwischen Vorderachse und Motorträger angeschraubt ist, Unterlegscheiben an den Schrauben des Motorträgers sowie an beiden Karosserieschrauben und schließlich die Führung der Vorderachse zwischen zwei Inbusschrauben auf jeder Seite, die in den Achsträger eingedreht sind (u.).

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Auf diesen feinen Inbusschrauben läuft die Achse besonders leicht. Zudem sind die Karosserieschrauben mit blanken Hälsen versehen, so daß sich die Karosserie leicht auf dem Fahrwerk bewegen kann, wenn man sie nicht fest anzieht, um das Fahrverhalten in Kurven zu optimieren.

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Mit dem zwischen Triebwerk und Hinterachse eingebauten Fahrwerksmagneten zieht der Dallara mit seinem drehmomentstarken V12/3 Motor wie von einer Turbine angetrieben los und brennt nach einer kurzen Eingewöhnungsphase Topzeiten in den Kunststoffbelag. Wann der Kunststoff schmilzt, haben wir nun nicht geprobt, doch die eingefahrenen Zeiten sind absolut heiß und nur mit Topmaterial zu unterbieten.

Als weitere Option kann man den stark wirkenden Magneten auch vor dem Triebwerk plazieren, so daß sich der GrandAm Wagen leichter driften läßt, während er in der vorherigen Position praktisch kaum einen Grenzbereich vorwies.

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Davon bietet er jedoch reichlich in der klassischen Betriebart ohne Haftmagnet. Der Dallara ist ein Ausbund an Gutmütigkeit und die mechanische Funktion enorm gut. Selbst wenn man mit dem Dallara (relativ) gemütlich fährt, ist er noch schneller unterwegs als die meisten anderen Wagen, ohne daß irgendeine technische Änderung erfolgen müßte. Nur von der Möglichkeit, den Motor-/Achsträger und die Karosserie zu lockern, wurde Gebrauch gemacht, zurückhaltend, weil das schon genügt.

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Die einzige Nacharbeit, die der Dallara vor dem ersten Start erfuhr, war das Fixieren der Kabelösen am Leitkiel mit ganz wenig Sekundenkleber, da die Ösen wegen des dort geringen Platzes herauszurutschen drohten. Abzuwägen ist, ob man die Spiegel entfernt, um sie nicht zu verlieren, während die Antennen ganz vorbildlich aus flexiblem Kunststoff sind.

Sideways/Racer hat mit dem Dallara ein aus nahezu allen Perspektiven herausragendes Modell präsentiert. So lohnt sich GrandAm fahren doch. Attraktiv sind auch die bereits erhältlichen Farbvarianten des Riley MkXX, mit denen man ein abwechslungsreiches Starterfeld zusammenbekommt. Im übrigen ist der Dallara sogar ein für Investmentbanker empfehlenswertes Modell: Denn mit seiner Heckspoilerbeschriftung mag er zum Nachdenken anregen.


COL Prüfstand in Zahlen
Sideways/Racer Ford-Dallara DP01 (1:32)
Karosserie: 5*
- Detaillierung: 6*
Technik: 5*
- Chassis: separater Motor-/Achsträger
- Extras: Magnet, Präzisionszubehör, Alufelgen
- Zuverlässigkeit: hoch
Verarbeitung: 5*
Preis: ca. EUR 46,50
Länge: 141,1 mm
Distanz Leitkiel-Hinterachse: 103,9 mm
Breite an der Hinterachse: 60,5 mm
Höhe: 35,0 mm
Hinterraddurchmesser: 20,3 mm
Leitkieldrehwinkel: ca. 130
Gewicht: (Karosserie 19 g) 75 g
Getriebe: 26 : 9
Motor: (172 mA/12V) FC-130 CD/ED
U/min bei 12 Volt 23.200
Antriebsart: Inliner
Höchstgeschwindigkeit: 8,5 m/sec.*
Fahrverhalten: Überarbeitung nicht erforderlich
Umbau -> Carrera Digital (0); Universal (0)
= jeweils recht aufwendig
Bewertungsschema:
6* = überdurchschnittlich
5* = sehr gut
4* = gut
3* = genügend
2* = unterdurchschnittlich
1* = mangelhaft
0* = unbrauchbar
*) Dem Höchstgeschwindigkeitswert kommt nur eine relative Bedeutung wegen der Abhängigkeit von Übersetzung/Radgröße und der zu befahrenden Strecke zu. Er drückt nichts über die Beschleunigung aus. Da die Prüfung auf einem Kelvin Light Prüfstand bei 12 Volt erfolgt, spielt auch das Fahrzeuggewicht keine Rolle. Unberücksichtigt bleibt hier zudem die für Rundenzeiten wichtige Haftung der Reifen. Im übrigen gilt es, eine gewisse Serienstreuung in Bezug auf die gemessene Höchstgeschwindigkeit wie auch die errechnete Motordrehzahl zu berücksichtigen.